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IMG_0949-kleinNumber three of December’s interview countdown to Christmas is a German one. Please welcome Katrin from Ulm currently living in Helsinki.

Normalerweise studiert Katrin Bayer in Ulm. Seit August ist sie für ein Austauschsemester in Helsinki. Als ich letzte Woche mit ihr sprach, war sie gerade von einer Lapplandreise zurück und erzählte mir von Nordlichtern, finnischen Trinksprüchen und ihrer ganz eigenen Lebensweisheit.

Was studierst Du? Ich studiere Psychologie auf Bachelor und bin jetzt im 5. Semester.

Hast Du schon Berufsvorstellungen? Nein, noch nicht wirklich. Aktuell tendiere ich dazu in die klinische Richtung zu gehen. Da interessiert mich vor allem die forensische Psychiatrie oder die Kinder- und Jugendpsychiatrie, aber da ich beides noch nicht als Praktikum ausprobiert habe, kann ich noch nicht sagen, ob ich das wirklich aushalten werde, weil das schon sehr anstrengend ist. Deswegen möchte ich das jetzt im Winter erst noch ausprobieren.

Warum hast Du Dich für Helsinki entschieden? Ich wollte nach Skandinavien, wobei ich jetzt gelernt habe, dass Finnland nicht zu Skandinavien gehört, aber ich wollte auf jeden Fall in den Norden und da hatten wir nur die Auswahl zwischen Bergen in Norwegen oder Helsinki und letztendlich ist es dann Helsinki geworden, worüber ich auch ganz froh bin.

Wie gefällt Dir die Stadt? Ich fühle mich hier ziemlich wohl. Helsinki macht es einem sehr einfach, sich sehr schnell wohlzufühlen, vor allem als Austauschstudentin. Wir sind hier angekommen und haben sofort von allen Seiten Hilfe bekommen. Wenn wir nicht weiterkamen, konnten wir jeden fragen.

Du bist erst seit ein paar Monaten hier. Hast Du schon einen Lieblingsort gefunden? Ja, das ist mein zweites Zuhause geworden; das Café Regatta hier in Helsinki. Ich bin da zwei- bis dreimal pro Woche und öfters auch mal für mehrere Stunden. Ich mag dieses Café weil es wirklich klein ist, richtig gemütlich eingerichtet ist und am Wasser liegt. Wenn es draußen kalt ist, regnet und alles grau ist, dann kommt man da rein und es riecht nach Zimt und Kaffee. Es ist eine wirklich günstige Oase in Helsinki mit zwei Euro für einen Kaffee und die Tradition, dass man den Kaffee so oft auffüllen kann, wie man will und auch noch fünf Cent pro Auffüllkaffee bekommt, dass ist eigentlich auch ne ganz süße Sache.

Wie oft hast Du radikal dein Leben geändert? Ich weiß nie, ob ich das radikal geändert habe, aber es gab immer einen Schritt nach dem anderen. Die erste große Veränderung war nach meinem Abitur als ich beschlossen habe ein Jahr nicht zu lernen, nicht zu studieren, sondern zu arbeiten und dann ins Ausland zu gehen und komplett selbständig alles zu organisieren und auf meinen eigenen Füßen zu stehen. Das war wahrscheinlich die radikalste Änderung und danach ging es ins Studium und dann ist alles Schritt für Schritt gekommen, also ich würde zum Beispiel Helsinki nicht als Änderung meines Lebens bezeichnen.

IMG_0954-kleinHast Du ein Lebensmotto oder aktuelles Motto? Ein Lebensmotto hab ich nicht. Ich muss immer an einen Satz denken, den mir mal eine Freundin sagte. Ich war im ersten Semester und es stand ein Statistiktest an und gleichzeitig hätte ich auch auf ein Festival fahren können. Und ich so, nein, ich kann nicht fahren, weil ich muss ja noch Statistik lernen, dabei war das nur ein Zwischentest, aber damals fand ich es wichtig und dann hat sie zu mir gesagt: An ein Wochenende an dem du Statistik gelernt hast, wirst Du Dich nicht erinnern, aber an das Festival kannst Du Dich immer erinnern.

So mach ich das jetzt, wenn ich Entscheidungen treffen muss, versuch ich nach diesem Prinzip zu gehen. Der Satz ist mir so hängengeblieben und ich bin auf das Festival gefahren und das war das beste Wochenende in dem ganzen Jahr.

Worauf bist Du grade stolz? Ich glaub, dass ich es geschafft habe im letzten Dreivierteljahr sehr viele verschiedene Dinge parallel zu meistern und alles mit dem bestmöglichen Einsatz zu machen und dadurch durchaus auch gute Resultate zu bekommen, nicht nur im Studium, sondern auch im Privaten, mit Freuden.

Feierst Du Erfolge? Eher weniger, also ich feiere eher die Erfolge von meinen Freunden als meine eigenen. Ich bin da eher zurückhaltend. Ich freue mich für mich selber, aber ich bin doch eher perfektionistisch veranlagt. Für einen Erfolg muss ich auch wirklich viel tun und deshalb bin ich eher zurückhaltend. Ich mag es nicht, wenn andere mir aufdrücken wie toll sie sind, deswegen werd ich das sicher auch nicht tun.

Vielleicht hast Du noch nicht soviel vom Land gesehen, aber gibt es etwas von dem Du sagst, das steht für Finnland? Was mir aufgefallen ist, dass die Finnen es schaffen sogar noch pünktlicher als die Deutschen zu sein. Ich erinnere mich an meine Tutorengruppe am Anfang, wenn wir da nur fünf Minuten zu spät waren, haben wir schon Ärger bekommen. Mir als Austauschstudentin sind alle sehr freundlich entgegengekommen und alle waren sehr bemüht uns so viel wie möglich zu zeigen. An der Uni sie sind sehr flexibel, also das Studieren wird einem hier von der Zeitplanung leichter gemacht.

Je älter Du wirst, was wird einfacher für Dich? Einfacher ist glaube ich, dass ich gelassener werde, umso mehr Erfahrung ich habe. Vor allem auch das Reisen. Ich kann mich noch erinnern als ich das erste Mal alleine gereist bin, war ich noch relativ nervös und dachte, oh nein, das Flugzeug muss ich erwischen, wie komm ich an den Bus und hab alles davor schon geplant. Inzwischen steig ich ein und schau unterwegs mal oder ich frag Leute und dann ist das ganze viel spontaner, weil ich weiß dass man schon ankommen wird.

Hast Du eine spezielle Technik fürs Gelassensein? Ich glaub es war eher die Erfahrung, egal was schief gehen konnte, man kam am Ende doch an und deswegen bin ich, wenn jetzt was schiefgeht vielleicht im ersten Moment verärgert aber ich weiß ich komme ans Ziel. Es dauert nur länger.

Hast Du eine Lieblingsfrage? „Was denkst Du gerade?“ Ich finde das wirklich interessant und hasse es, wenn Leute mir die Frage stellen.

Hast Du schon ein finnisches Wort gelernt oder einen Satz? Hauptbahnhof, das kann ich, das ist Rautatientori und dann die verschiedenen Haltestellen (lacht) und hallo, tschüss und danke, prost, kippis. Weißt Du, dass kippis vom Deutschen kommt?

Von kipp es? Ehrlich? Ich dachte, ich wäre schlau und hätte diesen Wortwitz entdeckt und dann hat eine Freundin es gegoogelt und anscheinend kommt es wirklich vom Deutschen „kipp es“. Ich hab es aber selber nicht überprüft.

Was ist dein Traum? Ich glaube, ich habe viele kleine Träume, die nach und nach in Erfüllung gehen und dieses halbe Jahr ist viel in Erfüllung gegangen. Ich wollte schon sehr lange mal zum Polarkreis reisen und letzte Woche war ich endlich da, sogar noch deutlich nördlicher. Da habe ich auch Nordlichter gesehen.

Muss man sich für Nordlichter eigentlich auf die Lauer legen? Naja, man sollte draußen sein, damit man sie sieht. Gleich am ersten Abend haben wir welche gesehen. Das Essen war grade vorbei und es gab diesen Deal unter den Studenten, dass wenn einer Nordlichter sieht, dann schreit er so laut er kann, damit alle rauskommen – und plötzlich sind alle raus, aber es war relativ schwach. Das andere Mal waren wir in Norwegen und sind gerade zurück nach Finnland gefahren und dann hat man durch den Bus gesehen, dass sie immer grüner und grüner geworden sind. Als es wirklich stark war, haben wir angehalten und sind ausgestiegen.

Hast Du irgendeinen Tick oder Macke? Ja, wobei die hier in Finnland relativ gut verschwunden ist. Aber daheim hatte ich eine. Immer wenn ich ins Bett gehe, mache ich das Licht aus, dann mache ich es noch mal an und schaue mir das Zimmer noch mal an und mache es dann erst aus. Lustigerweise hat mein Bruder exakt die selbe Angewohnheit, ohne dass wir das je miteinander besprochen haben.

Vielen Dank für das Gespräch!

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